kw 28/26 – deutschland-idyll


Was sich anhört, wie eine Komposition von Dieter Schnebel oder Helmut Lachenmann (dann mit Deutschlandfahne), ist der Kernbereich dessen, was man mit unserem Kulturbeauftragten der Bundesregierung als deutsche Wertegemeinschaft verstehen sollte, vermutlich. Eine steinerne Kultur, in der Natur nur noch als notwendiges Übel gedacht werden möge.

Obendrauf gesetzt ein eindrucksvolles Exemplar des Lebewesens, das ursprünglich als das Motiv guten Bürgertums, in Öl gemalt, abgegrenzt zur gewöhnlich gewalttätigen Häuslichkeit mit einem schweren, scheingoldenen Rahmen, performen sollte: der röhrende Hirsch. Der röhrende Hirsch als Ausdruck immerwährender, andauernder Potenz, der Führer, der sein Volk – im übertragenen Sinn leiten soll. Das Lebewesen hier ist jedoch genau so tot, nein schlimmer, es hat ja nicht einmal irgendwie gelebt, womit es zum Bild der Todessehnsucht wird.

Das Idyll ist deutsch? Nein, es ist das Deutschland-Idyll mit Horror, und in Ansehung des Blickes eines vorbeiziehenden Menschen, ein Herrschaftsversprechen des schlechten Geschmacks.

Anders, ein paar Häuser weiter auf der Straße Richtung Kühlung, wo die Anmut direkt aus dem ungemähten Feld in den – freilich – gemähten Garten tritt, sich putzt und rumgammelt.

Almut mit anmut
almut mit anmut. foto: hufner

In Teilzeit jedenfalls. So ist aber nun mal Deutschland auch, wenn man die Menschen davon subtrahiert. Kein Zaun hindert das Tier am Betreten des Raumes, der per Grundbuch einer oder mehreren bestimmten Personen zugeordnet ist – im Zweifel einer Kreditanstalt.

Und so verschwindet Deutschland auch aus Deutschland, wenn es sich zurückzieht auf eine gewisse Distanz zu sich selbst.

Im mückenschtznetz
im mückenschtznetz. foto: hufner

Der fotografierende Apparat stellt scharf mit seiner eigenen Intelligenz, das, vor ein Fenster gespannte, Netz gegen eindringende Mücken, es verliert die Natur aus dem Fokus.