Ob ich es dieses Jahr mal auf die Kante bekomme, ein wöchentliches Foto auf diese Website zu bekommen. Vielleicht müssen es ja nicht immer so besonders von mir als schön befundene sein, die man dann mit künstlerischer Freiheit sich noch schöner zu hübschen meint.
Es war ein Fest im Rausch des Widersinns. Gestern abend gegen 20 Uhr hat Familie K, erst mal die Kinder von den Reizen der Knall- und Lichteffekte direkt an einer befahrenen Straße überzeugen wollen. Und so standen da – es haben sich gleich mehrere Familien zu Initiationafeier zusammengefunden – ein Haufen brüllender dicker Männer samt anhimmelnder Frauen mit – gefühlt – einem Dutzden Kindern zwischen 5 und 12 Jahren an einer Bushaltestelle vor ihrem Reihenhaus und zündete fast eine Stunde so herum.
Die Hunde daheim waren davon nur so mäßig begeistert. Jedes Jahr das Gleiche, die Hoffnung, dass die Karawane in dem aktuelle Jahr mal bei einer der andren Familien aufschlägt, löst sich immer wieder in Luft auf.
Um 24 Uhr dann das ganz große Spektakel. Die mitbewohnenden Hunde sind dann im Treppenhaus versteckt oder im hintersten Stübchen von Badezimmer und Gästeklo. So klein kann man sich gar nicht machen, wie die plötzlich sind.
Dass aber eben schon um 20 Uhr der erste Rabatz losgeht … ich erkläre es mir mit väterlicher Fürsorge, denn um Mitternacht weiß man schließlich nicht, welche Gestalten sonst so unterwegs sind und durch Alkoholika möglichweise zugleich enthemmt wie durch pubertierende Hormonausschüttungen zum Quadrat ekstatisch hilflos.
Nach 18 Stunden der andauernden Angst, nach draußen zu gehen, um seinen Geschäften nachzugehen, hatten die beiden Hündinnen, eine davon noch läufig, endlich morgens gegen 6 Uhr Rude draußen. Zwischendrin haben wir allesamt gerudelt gepennt mit guter akustischer Grunddämmung von draußen und braunem Rauschen aus dem Lautsprecher.
Ja, das war dann unser einziger Rausch. Null Feier im Fernsehen. Ein bisschen Gemüse aus der Tajine. Abstoßen mit Bitterol und altem abgestandenem Traubensaft von 2015.
Gegen Mittag durfte das Grau auf einen wirken und einen erdrücken. Leckere selbstgemachte Sauerteigbrötchen, selbstgemachte Leberwurst ohne Fleisch. Keine Rollmöpse. Sambal Oelek!

Ich habe mir erzählen lassen, das zweite Fahrzeug für Großfamilien hatte hinten die Klappe offen, wo das Zeug dann Schritt für Schritt zur Verbrennung gebracht worden sei. Zusammengekehrt ist es dann doch.
PS: Nicht erzählen möchte ich, wie ich gegen 20 Uhr 45 vor die Tür getreten bin und die Leute als Volliditen, Spinnner, Vollpfosten, Ignoranten … zusammengebrüllt habe. Innen habe man meine Stimme trotz guter Dämmung auch noch wahrgenommen, sagte man mir. Danach war dann aber angeblich auch Schluss draußen.
Nachbarn aus Syrien und Tschetschenien, zwischen Familie K. und uns lebend, waren nicht zu sehen oder zu hören. Die Zimmer nur von innen beleuchtet.
PPS: Ich habe mich gefragt, will man so böse Geister bannen und vertreiben? Sind die echt so schwerhörig?
Wir murren nicht, wir knurren nicht. Wir schweigen alle Tage, …
Ball: Ausgewählte Gedichte. Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky, S. 39074
